Warum wir glauben, dass TYPO3 in Nordamerika eine größere Rolle spielen sollte
In Europa gehört TYPO3 seit vielen Jahren zu den etablierten Enterprise-CMS. Zahlreiche Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und internationale Konzerne setzen auf die Plattform, weil sie langfristige Wartbarkeit, flexible Berechtigungskonzepte und eine hohe Anpassbarkeit miteinander verbindet. Außerhalb Europas wird TYPO3 dagegen häufig noch immer als Nischenprodukt wahrgenommen. Nach unserer Einschätzung liegt genau darin eine der größten Chancen für die kommenden Jahre.
Vor einigen Wochen fand der TYPO3 North America Summit statt. Leider konnten wir in diesem Jahr selbst nicht teilnehmen, dennoch haben wir die Veranstaltung mit großem Interesse verfolgt. Nicht, weil wir auf eine kurzfristige Geschäftsmöglichkeit hoffen, sondern weil wir glauben, dass sich dort gerade etwas entwickelt, das für das gesamte TYPO3-Ökosystem von großer Bedeutung sein könnte.
Wer viele Jahre ausschließlich in Europa gearbeitet hat, vergisst leicht, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von TYPO3 in anderen Märkten ist. Während viele europäische Agenturen bereits auf zahlreiche Enterprise-Projekte zurückblicken können und die Stärken der Plattform aus eigener Erfahrung kennen, begegnen viele nordamerikanische Unternehmen TYPO3 zum ersten Mal. Für sie ist TYPO3 nicht der etablierte Standard, sondern zunächst eine von vielen möglichen Alternativen.
Gerade deshalb glauben wir, dass der wichtigste Beitrag in den kommenden Jahren nicht darin besteht, möglichst viele Projekte zu verkaufen. Viel wichtiger ist es, Wissen aufzubauen und Erfahrungen weiterzugeben.
Ein gutes Produkt allein reicht nicht aus
In technischen Diskussionen konzentrieren wir uns häufig auf Funktionen.
- Welche Features bietet ein CMS?
- Welche Sicherheitsmechanismen existieren?
- Wie flexibel ist die Architektur?
- Welche Integrationen sind möglich?
Natürlich sind diese Fragen wichtig. Sie erklären jedoch nur einen Teil des Erfolgs einer Plattform.
Mindestens genauso entscheidend ist die Frage, ob Unternehmen überhaupt Partner finden, die Projekte zuverlässig umsetzen können. Ein leistungsfähiges Enterprise-CMS gewinnt nicht dadurch an Bedeutung, dass es gute Funktionen besitzt. Es gewinnt an Bedeutung, wenn Agenturen, Entwickler und Berater genügend Erfahrung sammeln, um diese Funktionen erfolgreich in Kundenprojekten einzusetzen.
Genau darin sehen wir aktuell die größte Herausforderung außerhalb Europas.
Nicht das Produkt muss sich zuerst beweisen. Das Ökosystem muss wachsen.
Warum wir darin eine Chance sehen
Viele Agenturen in Nordamerika verfügen über enorme Erfahrung mit komplexen Webprojekten. Sie entwickeln anspruchsvolle Lösungen mit WordPress, Drupal, Sitecore oder anderen Enterprise-Systemen und begleiten internationale Kunden seit vielen Jahren. Was häufig fehlt, ist nicht technisches Know-how, sondern Erfahrung mit TYPO3 selbst.
Aus unserer Sicht ist das ein entscheidender Unterschied. Niemand muss lernen, wie gute Software entwickelt wird. Niemand muss lernen, wie Architektur funktioniert oder wie man große Projekte organisiert.
Was fehlt, sind Erfahrungen mit den Besonderheiten von TYPO3, seinen typischen Projektstrukturen, den etablierten Best Practices und den Werkzeugen, die sich innerhalb der Community über viele Jahre entwickelt haben.
Gerade deshalb glauben wir, dass Wissensaustausch einen wesentlich größeren Einfluss haben kann als klassische Vertriebsaktivitäten.
Entfernung ist heute selten das eigentliche Problem
Eine der häufigsten Fragen lautet, ob eine Zusammenarbeit zwischen europäischen und nordamerikanischen Agenturen überhaupt praktikabel ist. Unsere Erfahrung spricht eindeutig dafür.
Seit einiger Zeit arbeiten wir bereits erfolgreich mit einer Agentur in Kanada zusammen. Natürlich gibt es Zeitverschiebungen. Natürlich müssen Meetings sorgfältiger geplant werden als innerhalb derselben Zeitzone. Gleichzeitig stellen wir fest, dass diese organisatorischen Unterschiede heute eine deutlich geringere Rolle spielen als noch vor einigen Jahren.
Die eigentlichen Herausforderungen liegen fast immer an anderer Stelle.
- Wie kalkuliert man ein größeres TYPO3-Projekt?
- Wie organisiert man ein Enterprise-Upgrade?
- Welche Extensions haben sich bewährt?
- Welche Architekturentscheidungen erleichtern spätere Weiterentwicklungen?
- Wie baut man einen reproduzierbaren Deployment-Prozess auf?
Diese Fragen lassen sich unabhängig vom Kontinent beantworten. Sie erfordern Erfahrung, nicht geografische Nähe.
Wir möchten Agenturen beim Einstieg begleiten
Vielleicht unterscheidet sich an dieser Stelle unsere Perspektive von klassischen Dienstleistern. Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Projekte von nordamerikanischen Agenturen zu übernehmen. Wir würden uns vielmehr wünschen, dass dort möglichst viele Agenturen entstehen, die TYPO3 langfristig erfolgreich einsetzen können.
Das kann sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal geht es um eine erste Architektur-Diskussion für ein Enterprise-Projekt. Manchmal begleiten wir ein Team beim ersten größeren Upgrade.
In anderen Fällen unterstützen wir als White-Label-Partner im Hintergrund, während die Agentur den direkten Kundenkontakt behält. Häufig reichen bereits gemeinsame Code Reviews oder einige Workshops aus, um typische Anfangshürden deutlich schneller zu überwinden.
Aus unserer Sicht besteht echter Wissenstransfer nicht darin, Arbeit dauerhaft zu übernehmen. Er besteht darin, andere Teams in die Lage zu versetzen, dieselben Aufgaben künftig selbstständig erfolgreich umzusetzen.
Warum uns das als offizieller TYPO3 Consultant Partner wichtig ist
Seit 2024 sind wir offizieller TYPO3 Consultant Partner der TYPO3 GmbH. Diese Partnerschaft verstehen wir nicht ausschließlich als Auszeichnung für unsere bisherige Arbeit, sondern auch als Verantwortung gegenüber dem gesamten TYPO3-Ökosystem.
Dazu gehört aus unserer Sicht nicht nur die Unterstützung bestehender Kunden oder Agenturen in Europa. Wenn TYPO3 international wachsen soll, dann braucht es erfahrene Unternehmen, die bereit sind, Wissen weiterzugeben, neue Partner zu begleiten und ihre Erfahrungen offen zu teilen.
Genau deshalb engagieren wir uns in der Community, investieren Zeit in den Austausch mit anderen Agenturen und beteiligen uns an Veranstaltungen wie dem TYPO3 Surf Camp oder internationalen Community-Initiativen. Nicht weil daraus unmittelbar neue Projekte entstehen, sondern weil wir überzeugt sind, dass ein starkes Ökosystem langfristig allen Beteiligten zugutekommt.
Europa kann Erfahrungen teilen – Nordamerika wird eigene Wege finden
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die europäische TYPO3-Community einfach zu kopieren. Jeder Markt entwickelt eigene Anforderungen, eigene Arbeitsweisen und eigene Schwerpunkte. Gerade das macht eine internationale Open-Source-Community so spannend.
Europa bringt jahrzehntelange TYPO3-Erfahrung mit. Nordamerika bringt neue Perspektiven, andere Geschäftsmodelle und einen Markt mit enormem Innovationspotenzial.
Wir glauben, dass beide Seiten voneinander profitieren können. Die europäische Community kann ihre Erfahrungen aus tausenden Enterprise-Projekten einbringen. Gleichzeitig werden neue Impulse aus Nordamerika dazu beitragen, TYPO3 weiterzuentwickeln und neue Anwendungsfelder zu erschließen.
Was wir uns für die kommenden Jahre wünschen
Wenn wir an die Zukunft von TYPO3 denken, wünschen wir uns vor allem eines:
- Mehr Unternehmen, die sich bewusst für TYPO3 entscheiden, weil sie den langfristigen Wert einer offenen, professionell entwickelten Enterprise-Plattform erkennen.
- Mehr Agenturen, die den Schritt wagen, TYPO3 in ihr Portfolio aufzunehmen.
- Mehr Entwickler, die ihre ersten Erfahrungen mit TYPO3 sammeln und feststellen, dass hinter dem System eine außergewöhnlich engagierte Community steht.
- Und mehr Austausch zwischen den Menschen, die dieses Ökosystem jeden Tag weiterentwickeln.
Falls wir mit unserer Erfahrung aus Enterprise-Projekten, White-Label-Zusammenarbeit, TYPO3-Upgrades und Architekturberatung einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dann tun wir das sehr gerne.
Nicht, weil Nordamerika für uns lediglich ein neuer Markt wäre. Sondern weil wir überzeugt sind, dass TYPO3 als Open-Source-Projekt dann am stärksten ist, wenn Wissen, Erfahrungen und Zusammenarbeit keine geografischen Grenzen kennen.
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