Ein starkes Open-Source-Projekt braucht mehr als guten Code – warum wir bewusst in das TYPO3-Ökosystem investieren

Wenn über Open Source gesprochen wird, konzentrieren sich viele Diskussionen auf neue Funktionen, Sicherheitsupdates oder Release-Zyklen. Deutlich seltener wird darüber gesprochen, warum Unternehmen überhaupt Zeit, Geld und erfahrene Entwickler investieren, obwohl sich diese Investitionen nur selten unmittelbar einem einzelnen Kundenprojekt zuordnen lassen. Genau diese Frage beschäftigt uns seit einigen Jahren immer wieder.

Wer TYPO3 ausschließlich aus der Perspektive eines Kundenprojekts betrachtet, könnte leicht zu dem Schluss kommen, dass sich die Plattform im Wesentlichen aus dem Core, einigen Extensions und einer aktiven Community zusammensetzt. Tatsächlich ist das jedoch nur der sichtbare Teil des Systems. Hinter jeder neuen TYPO3-Version stehen unzählige Entscheidungen, die über Monate hinweg von Core-Entwicklern, Maintainern, Agenturen, Freelancern und vielen weiteren Beteiligten getroffen werden. Dokumentationen werden geschrieben, Pull Requests diskutiert, Architekturen überarbeitet und Fehler analysiert, lange bevor sie jemals in einem Changelog erscheinen.

Je länger wir mit TYPO3 arbeiten, desto deutlicher wird uns, dass genau dieser Teil des Ökosystems häufig unterschätzt wird. Ein Enterprise-CMS lebt nicht allein von seinem Quellcode. Es lebt von den Menschen, die bereit sind, Verantwortung für seine Weiterentwicklung zu übernehmen, Wissen miteinander zu teilen und auch dann Zeit zu investieren, wenn daraus kurzfristig kein wirtschaftlicher Vorteil entsteht.

Aus diesem Grund haben wir uns 2024 bewusst entschieden, offizieller TYPO3 Consultant Partner der TYPO3 GmbH zu werden. Natürlich freuen wir uns über diese Partnerschaft, sie ist für uns jedoch weit mehr als ein zusätzlicher Eintrag auf unserer Website oder eine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit. Wir verstehen sie vielmehr als die Verpflichtung, unsere Erfahrungen aus Enterprise-Projekten aktiv in die Community zurückzugeben und gleichzeitig dazu beizutragen, dass Agenturen, Freelancer und Unternehmen leichter Zugang zu TYPO3 finden.

 

Gute Open-Source-Projekte entstehen nicht zufällig

Viele erfolgreiche Open-Source-Projekte haben eines gemeinsam. Sie besitzen eine Community, die bereit ist, kontinuierlich in die Zukunft des Projekts zu investieren. Diese Investition besteht allerdings nicht nur aus Code. Genauso wichtig sind Architektur-Diskussionen, Dokumentation, Konferenzen, Community-Events, Wissensaustausch und die Bereitschaft, Erfahrungen aus realen Projekten offen miteinander zu teilen.

Gerade dieser letzte Punkt erscheint uns besonders wichtig.

In den vergangenen Jahren haben wir mit vielen Agenturen gesprochen, die zwar grundsätzlich Interesse an TYPO3 hatten, den Einstieg jedoch als schwierig empfanden. Manche verfügten über jahrelange Erfahrung mit WordPress oder Drupal und wollten verstehen, wie sich TYPO3-Projekte organisatorisch unterscheiden. Andere hatten bereits erste Projekte umgesetzt und suchten nach Best Practices für größere Enterprise-Installationen. Wieder andere standen vor ihrem ersten umfangreichen Upgrade und wollten typische Fehler möglichst vermeiden.

Auffällig war dabei, dass sich viele Fragen wiederholten – nicht, weil die Agenturen unerfahren gewesen wären, sondern weil sie vor denselben Herausforderungen standen, die wir einige Jahre zuvor ebenfalls lösen mussten.

Je häufiger wir diese Gespräche führten, desto klarer wurde uns, dass Wissen innerhalb eines Open-Source-Ökosystems einen deutlich größeren Wert besitzt, wenn es geteilt wird, anstatt ausschließlich innerhalb einzelner Unternehmen zu verbleiben.

 

Warum wir vier Entwickler nach Fuerteventura geschickt haben

Ein gutes Beispiel dafür war das erste TYPO3 Surf Camp auf Fuerteventura.

Als die TYPO3 GmbH dieses Format ins Leben rief, entschieden wir uns bewusst dafür, gleich vier Entwickler aus unserem Team zu entsenden. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet ist das keine besonders naheliegende Entscheidung. Vier erfahrene Entwickler fehlen in dieser Zeit in Kundenprojekten, interne Kapazitäten werden kleiner und abrechenbare Stunden entstehen in dieser Woche kaum.

Trotzdem würden wir dieselbe Entscheidung jederzeit wieder treffen.

Der eigentliche Wert eines solchen Treffens liegt nämlich nicht darin, möglichst viele Zeilen Code für den TYPO3-Core zu schreiben. Mindestens genauso wichtig sind die Gespräche zwischen den Menschen, die täglich mit TYPO3 arbeiten. Architekturentscheidungen werden verständlicher, wenn man ihre Hintergründe kennt. Diskussionen über zukünftige Entwicklungen erhalten eine andere Perspektive, wenn man sie gemeinsam mit Core-Entwicklern führt. Und viele Fragen, die in einem GitHub-Issue mehrere Tage benötigen würden, lassen sich in einem persönlichen Gespräch innerhalb weniger Minuten einordnen.

Diese Erfahrungen lassen sich weder einkaufen noch aus Dokumentationen lernen – sie entstehen ausschließlich durch Zusammenarbeit.

 

Unser Ziel ist nicht, die größte Agentur zu werden

Wenn wir intern darüber sprechen, welche Rolle wir langfristig innerhalb des TYPO3-Ökosystems einnehmen möchten, fällt ein Begriff besonders häufig.

Wir möchten ein Hub sein.

Nicht im Sinne einer zentralen Organisation oder eines Gatekeepers, sondern als ein Ort, an dem Erfahrungen zusammenlaufen und anschließend wieder in die Community zurückfließen.

In den vergangenen Jahren ist uns immer deutlicher geworden, dass viele Unternehmen dieselben technischen Herausforderungen unabhängig voneinander lösen. Agenturen entwickeln ähnliche Deployment-Prozesse, erstellen eigene Upgrade-Checklisten oder dokumentieren typische Stolpersteine für ihre Entwickler. Gleichzeitig entstehen an vielen Stellen hervorragende Lösungen, von denen andere nie erfahren.

Wir glauben, dass genau hier enormes Potenzial liegt.

Je einfacher sich Best Practices austauschen lassen, desto schneller steigt die Qualität des gesamten Ökosystems. Davon profitieren letztlich nicht nur Agenturen oder Freelancer, sondern auch Endkunden, die stabilere Projekte, bessere Wartbarkeit und eine größere Auswahl an erfahrenen TYPO3-Partnern erhalten.

Aus diesem Grund investieren wir bewusst Zeit in Gespräche mit anderen Agenturen, unterstützen Freelancer beim Einstieg in größere Enterprise-Projekte und teilen viele unserer Erfahrungen öffentlich – sei es auf Veranstaltungen, in persönlichen Gesprächen oder in Artikeln wie diesem.

 

Warum wir glauben, dass Zusammenarbeit wichtiger ist als Konkurrenz

Gerade in der Agenturwelt wird häufig sehr stark über Wettbewerb gesprochen. Natürlich konkurrieren Unternehmen um Projekte und Kunden. Gleichzeitig erleben wir innerhalb der TYPO3-Community seit vielen Jahren etwas anderes.

Die erfolgreichsten Projekte entstehen häufig dort, wo Unternehmen bereit sind, ihr Wissen miteinander zu teilen.

  • Eine Agentur entwickelt eine gute Deployment-Strategie.
  • Eine andere verbessert eine Extension.
  • Jemand dokumentiert einen komplizierten Migrationsschritt.
  • Ein Core-Entwickler stellt eine Architekturentscheidung zur Diskussion.

Viele dieser Beiträge wirken für sich genommen klein. Zusammen sorgen sie jedoch dafür, dass TYPO3 als Plattform jedes Jahr ein Stück besser wird.

Genau deshalb betrachten wir Wissensaustausch nicht als Wohltätigkeit. Er ist aus unserer Sicht eine Investition in die Zukunft des gesamten Ökosystems.

Und davon profitieren am Ende auch wir selbst. Denn je erfolgreicher TYPO3 wird, desto erfolgreicher können langfristig auch diejenigen Unternehmen sein, die sich auf diese Plattform spezialisiert haben.

 

Was wir daraus gelernt haben

Wenn wir auf die vergangenen Jahre zurückblicken, dann war die Partnerschaft mit der TYPO3 GmbH für uns nie das eigentliche Ziel. Sie war vielmehr der sichtbare Ausdruck einer Entwicklung, die schon deutlich früher begonnen hatte.

Je mehr Enterprise-Projekte wir begleitet haben, desto stärker wurde unser Wunsch, die dabei gewonnenen Erfahrungen nicht ausschließlich innerhalb unserer eigenen Organisation zu behalten. Gute Ideen werden wertvoller, wenn andere sie weiterentwickeln können. Gute Prozesse verbessern sich schneller, wenn sie diskutiert werden. Und ein starkes Open-Source-Projekt entsteht nicht dadurch, dass einige wenige Unternehmen besonders erfolgreich sind, sondern dadurch, dass viele Unternehmen gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Vielleicht beschreibt genau dieser Gedanke am besten, warum wir uns heute als offizieller TYPO3 Consultant Partner engagieren. Nicht, weil wir glauben, bereits alles zu wissen, sondern weil wir überzeugt sind, dass das TYPO3-Ökosystem dann am stärksten ist, wenn Wissen nicht an Unternehmensgrenzen endet, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt und geteilt wird.

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